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"Wellness" - danach hat auch das Portemonnaie Falten! Drucken

Die "blühenden Landschaften" in MeckPom verlieren an Leuchtkraft.
Der Löwenzahn auf den verwaisten Werkshöfen ist verblüht. Sicher wird im kommenden Jahr die Anbaufläche wiederum erweitert.
Dennoch blüht im deutschen Urlaubs-Bundesland Nr. 1 ein strukturbestimmendes Gewerbe: "Wellness"!

Wer im boomenden Beherbergungsgewerbe noch ein Nebengelass aktivieren kann, der macht in Wellness. Denn schön macht alles, was sich im Umkreis günstig auftreiben lässt. Nur muss das den schönheitsbessenen Damen fachgerecht wie Gurkenscheiben auf's Auge gedrückt werden.
So schwierig ist das nicht!
Schliesslich gelingt es den Werbepsychologen doch Tag für Tag der nach Schönheit lechzenden Verbraucherin einzureden, dass in ihren Schmiermitteln entweder Oliven- oder Palmen, Kamille oder AleoVera, Bienenwachs oder Kakaobutter, Lipo- oder hunderte andere -Some unwahrscheinlich schön machen. Sie fast schon anti-aging-mässig im Alter sogar zurückwerfen!
Die Stiftung Warentest hat etlichen gleichmässig zerknitterten Damen Anti-Aging-Crems führender Anbieter wochenlang auf die Falten geschmiert und diese danach intensiv betrachtet. Die ALDI-Creme für 2,49 € hat angeblich am besten alles glattgebügelt. Die teuerste für 79,99 € zeigte trotz der ihr innewohnenden schweinisch teuren Wunderelixiere nur mässige Erfolge.
Die aufwändige Erforschung der dennoch wirkungslosen Inkredenzien des Verlierers begründet den stattlichen Preis für den Eierbecher voll Schmiermittel.
Und natürlich die Suggestion, was richtig teuer ist, das haut auch so richtig rein!
Ich denke mal, so richtig zu bewundern war nach den Salbungen bei keiner Probantin was.

Auf der Insel Rügen lebt man heute vorwiegend von Wellness und zweitvorwiegend von Kreide.
Jetzt haben diese beiden Wirtschaftszweige ganz pfiffig fusioniert. Nach dem die schönheitsbewusste Urlauberin gegen dreifach zu entrichtende Gebühr am Königsstuhl die Kreide betrachtet hat, kann sie danach in ihrem Wellness-Hotel noch ihren zerknitterten Body damit einschlämmen lassen.
Die Kalkablagerungen der fossilen Meerestiere beinhalten die dreifach ungesättigten Omega3-Fettsäuren, die, weil ungesättigt, über den ganzen Körper ausschwärmen und alle Falten glatt ziehen und ungesättigt sämtliche Pickel auffressen.

Wer seine Wellness-Anstalt nicht auf Kreide aber auf Vulkangestein erbaut hat, der nimmt eben dieses, das geht auch!
Fango nennt sich der vulkanische Brei. Zusammen mit dem festen Glauben an die Wirkung lindern diese drei Zentimeter stark aufgetragenen Dickschicht-Lasuren Rheuma und Arthrose. Sagt man.

Nun haben nicht alle, die in Wellness machen, Kreide oder Vulkangestein in ihrer Reichweite.
Schlamm allerdings hat jeder.
Den sollte man aber besser "Heilerde" nennen.
Die Anwendung von Klärschlamm konnte sich noch nicht flächendeckend durchsetzen. Obwohl gerade dieser enorm die Abwehrkräfte des Körpers aktiviert.

Gut sortierte Wellnesser haben "Heilerden" gegen jegliche Beschwerden und schönheitsmässige Defizite parat.
Je nachdem, welchen Maulwurfhügel sie dafür abgetragen haben. Wenn sie dann die Schafgarbe und den Sauerampfer daneben auch noch abpflückten und im sog. Tepidarium verdampfen lassen, dann trocknet in dieser Bio-Sauna der Schlamm schnell an und die heilenden Dämpfe kriechen unter die Haut.
Wird die Schlammschicht dann abgespachtelt, nimmt sie sämtliche Beschwerden mit und lässt darunter die Schönheit erblühen.

Ausser Kreide, Eruptionsgestein und allen Erdarten eignet sich selbstverständlich auch Moor zum Aufmotzen der Schönheit. So ein heisses Moorbad regt die Hormonproduktion an und Hormone kann ein jeder doch immer gebrauchen.
Wenn das Moor dann seinen Zweck erfüllt hat, wird es nochmals profitabwerfend zusammen mit den Hautpartikelchen der Schuppenflechte und Neurodermitis und den abgeworfenen Gnubbeln der Orangenhaut getrocknet in Tüten gefüllt an die Kleingärtner verkauft.
Ein Torf-Hornspäne-Gemisch.

Nach all diesen Bädern werden die gereinigten Körper mit edelsten Duft- und Pflegelotionen einbalsamiert und nach dem Motto "Morgens Fango - abends Tango" gleich mal beim Schaulaufen getestet, was die teure Wellness-Kur so für Erfolge zeitigt.
Es ist immer wieder verwunderlich, dass Gräfin von Laumburg-Schippe oder Freifrau von Brixen-Botox nicht bemerken, dass daselbst die seltensten Erdarten und teuersten Lotionen die antike Patina auch nicht mehr in glänzendes Edelmetall umlegieren.
Nur die Wellness-Facharbeiterin sieht da noch Potential.
Das befiehlt ihr Ehrencodex!

Zweiflerinnen und Zweiflern, die sich bisher von der schönheitsfördernden Wirkung von Steine und Erden mehr versprachen, gilt es dennoch aufmunternd bei der Stange zu halten.

Schliesslich hat die Wellness-Industrie noch mehrere Asse im Ärmel.
Alternativ schmiert man der nach Schönheit lechzenden Damenwelt auch zerlassene Schokolade auf die Knitterfältchen.
Die Rohmasse liefern die Belgier in Säcken. Für Konditoren und Wellness-Studios.
Die in der Kakaobutter gespeicherten Anionen aus der Tropensonne, die die Kakao-Bohne beschien, bilden zusammen mit den Liposomen in der oberen Epidermis farblich getönte Kettenmoleküle. Flächendeckend! Das verleiht der Haut zartbraunen, sammetglänzenden Teint. Der feste Glaube daran wirkt da stark unterstützend.
Nicht billig das Ganze, aber von führenden Dermatologen empfohlen!

 

In Reichweite jedes Berghotels auf der Alm steht ein Heustadl.
Der drängt sich dem Hotel mit Wellness förmlich auf.
Dem aufmerksamen Leser schwant da bereits schon was!
Die ganz Innovativen des Beherbergungsgewerbes haben dort Bio-Multifunktions-Heu hinter der Hütt'n. Und bevor das Heu das Rindvieh erfreut, motzt das noch ganz erheblich die Gesundheit, das Wohlbefinden und Äussere der Wellness-liebenden Urlauber auf.

Im Kurort Bad Kleinkirchheim werden diese nackert auf der hölzernen Pritsche mit Heu zugeschüttet und ganz romantisch beim Kerzenschein setzt das Wohlbefinden ein. Die "freien Radikale" in den getrockneten Alpengräsern diffundieren über den irren Duft von frischem Heu in den Körper und becircen dort ganz radikal die Endorfine.
Den Gast beschleicht ein Glücksgefühl.

Nach dem Krieg musste ich als Flüchtlingsjunge mehrfach auf losem Stroh, Heu und jahrelang auf einem Hafer-Stroh-Sack schlafen.
Mit mässiger Endorfin-Aktivität und nur schwachem Wohlbehagen. Wellness war eben noch nicht erfunden!

 

Am 17. Oktober 2010 besuchte die ARD mit Andrea Kiewel und der Herbstshow Südtirol.
Dieser Landstrich produziert 10% der Äpfel, die in Europa verzehrt werden.
D. h. alle werden nicht verzehrt, denn, und das war doch wohl zu erwarten, auch Äpfel beinhalten ein gewaltiges Wellness-Potential.
Eine südtirolsche Wellness-Spezialistin propagiert eindrucksvoll die bisher unbekannte Wirkungsweise eines Apfels. Natürlich hochwissenschaftlich begründet, mit Vitaminen, Liposomen, Radikalen, gesättigten und hungrigen und so und alles.
Zermatscht, mit Öl und weiteren Wunderwässerchen verbrämt, zieht nach deren Ausführungen auch dieses aufgetragene Apfelmus jedes dermatologische Pergament glatt.

So wie Dr. Best seit Jahrzehnten ohne Ende Verbesserungen an seiner Zahnbürste anbringt, so werden auch in nimmermüder Forschung weitere Wundermittel in Sachen "Wellness" ernannt, deren Anwendung das Wohlbefinden und die Schönheit ausufern lassen.
Wichtig ist nur, nie den Corpus naturbelassen!
Ob er mit Quark, Algen, Oliven, Eselsmilch, Kreide, Schlamm oder Kuhscheisse beschmiert wird, ist zweitrangig.
Schliesslich verfehlt keines dieser Mittel seine wohltuende und schönheitsverbessernde Wirkung. 

Ohne Lasur langweilen sich die Haut und die Psyche und beides erschlafft!
Die Wellness-Industrie wird das zu vermeiden wissen!

 


Zwei Kumpels in der Kneipe:
Sagt der eine: "Meine Frau war neulich in so einem Wellness-Hotel, Schlammpackungen und so..."
"Und", sagt der andere: "Ist Deine Frau nun schöner geworden?"
"Anfangs schon, aber dann fing das Zeug an abzubröckeln..."